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Rheinische Post am 20. Dezember 1999
Beim Aikido geht alles ohne Geräusch ab:
Der Sieg durch Gleichgewicht
Von Ratbil Shamel
Bedburdyck. Die Bürgerhalle ist hell erleuchtet und mit Judomatten ausgelegt. An der Wand hängt eine Kalligrafie von einem japanischen Aikidomeister: "Aikido Geiko", was soviel heißt wie "Aikido üben". Die Teilnehmer des Kurses tragen weiße Judoanzüge und sitzen in einer Reihe auf dem Boden: tief in sich versunken und konzentriert. Minutenlang bleiben die sieben Männer und zwei Frauen in dieser Position sitzen. Keine Bewegung, kein Wort, als ob sie in einen tiefen Schlaf versunken wären. Aber weit gefehlt: während der Aikidokämpfer versucht, Körper und Geist in Einklang zu bringen, ist er hoch konzentriert und hellwach. Die absolute Stille des Raumes wird dadurch gestört, dass der Leiter des Kurses, Dieter Mouwens, von seinem Platz aufsteht und sich seinen Schülern im Abstand von etwa fünf Metern gegenübersetzt. Er beugt sich tief nach vorn, bis seine Stirn den Boden berührt. Seine Schüler machen es ihm nach.
Aikido, "die friedfertige Selbstverteidigungskunst", wurde zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts von dem Japaner Morihei Ueshiba aus alten Kampftechniken entwickelt. In den 60er Jahren wurde Aikido in Deutschland eingeführt. Seit 1995 werden Aikido-Kurse mit großem Erfolg auch in Jüchen angeboten, die vom Kreissportbund Neuss organisiert werden.

"In diesem Kampfsport geht es darum, die Angriffe des Gegeners aufzunehmen oder umzuleiten.", beschreibt der Kursleiter. Die Trainingeinheiten der Aikidogruppe sind festgelegt und ändern sich nicht. Mit Atem- und Lockerungsübungen eröffnet Mouwens die Trainingsstunde. Die Teilnehmer des Kurses kennen die Reihenfolge und Dauer der Übungen. So verlaufen die ersten 45 Minuten des Trainings in absoluter Stille.

"Unsere Übungsweise ist gemäß der Lehrmethode von Dirk Kropp, Aikidolehrer in Köln, ruhig, langsam und meditativ", erklärt der Sonderschulpädagoge Mouwens. Tatsächlich führen die Kursteilnehmer ihre Bewegungen sanft, langsam und rhythmisch aus. Ihre Bewegungen erinnern eher an eine Ballettstunde, wo auf die Eleganz der Ausführung geachtet wird, als an eine Kampfsportart.

Nach knapp 45 Minuten beginnt der zweite Teil des Trainings: die Techniken zur Selbstverteidigung. Jeder sucht sich einen Partner. Dieter Mouwens macht vor, wie man ruhig und gelassen den Angriff eines Gegners abwehren und ihn im nächsten Moment zu Boden bringen kann. Dabei werden keine Laute, wie wir es von anderen Kampfsportarten kennen, ausgestoßen. "Während Judo Bewegungen enthält, die an Ringen erinnern, und Karate mit Tritten und Schlägen arbeitet, verwendet Aikido Ausweichen und Hebeln, die das Gleichgewicht des Angreifers kontrollieren. Die aggressive Bewegungsenergie eines Gegners wird aufgenommen und umgeleitet."

Bei der Ausführung der Übungen achtet Mouwens darauf, dass die Bewegungen entspannt und ohne Nervosität ausgeführt werden. Ruhig und gelassen zu reagieren, obwohl ein Angreifer naht, sei nur möglich, wenn Körper und Geist sich im Gleichgewicht befänden. Die Kunst, zu sich selbst zu finden, steht daher bei Aikido im Vordergrund.

Ikkyo omote
Aikido - das ist Erfolg durch Gleichgewicht. RP-Foto. Isabella Kreutz


Rheinische Post am 14. Dezember 2001
Beim Aikido geht es nicht darum, den Gegner schnell auf die Matte zu werfen und zu besiegen
Ruhig reagieren und gelassen handeln
Von Oliver Schaulandt
Bedburdyck. Es ist mucksmäuschenstill in der Bürgerhalle Bedburdyck. Auf lindgrünen Matten sitzen 20, ganz in weiß gekleidete Menschen im Judoanzug. Ihre Augen sind geschlossen. Tief einatmen - ausatmen. Sie sollen zur Ruhe kommen. Abschalten vom hektischen Stress des Alltags. Mal für kurze Zeit die Seele baumeln lassen.
Die Gruppe gehört der Aikido-Abteilung des Turnvereins Bedburdyck an. Aikido, das ist die Kunt der friedfertigen Selbstverteidigung. Entwickelt vom Japaner Morihei Ueshiba, wurde die Sportart in den 60er Jahren auch uns bekannt.

Entspannung ist wichtig

Übungsleiter Dieter Mouwens gibt ein Zeichen. Langsam, wie aus einem Schlaf erwacht, richten sich die Teilnehmer auf. Jetzt beginnt das Aufwärmprogramm: Atemübungen, Dehnungen. Erst dann geht es an die Übungen. "Entspannt zu sein ist das Wichtigste in unserem Sport" sagt Mouwens. Denn beim Aikido geht es nicht darum , möglichst schnell den Gegner auf di Matte zu schicken. Stattdessen sollen die Teilnehmer lernen, ruhig und gelassen zu bleiben, wenn sie einem möglichen Angreifer gegenüber stehen.

Hektische Bewegungen sind tabu. Mouwens muss die Übungen oft unterbrechen. Zu schnell führen seine Schützlinge das Abrollen des Gegners über die Schulter aus. "Wir wollen niemanden bei einem Sturz verletzen", erklärt der 48-Jährige Stattdessen soll der Gegner regelrecht auf den Boden gelegt werden. "Angemessenes Verhalten", nennt Mouwens diese Vorgehensweise.

Angefangen mit Jiu-Jitsu

Seit einigen Jahren übt der Gruppenleiter nun schon Aikido aus. Angefangen hat er mit Jiu-Jitsu, doch dort sei ihm die Gewalt zu stark gewesen. "Da habe ich erstmals etwas von Aikido gehört.", erinnert er sich. "Das war zwar als Softie-Sport verschrien, aber es hat mich hellhörig gemacht." Schnell fand er eine Schule in Köln, die diesen Sport lehrte. Und seit dem ist er buchstäblich mit Leib und Seele dabei.

Denn neben der geistigen Stärkung wird auch die Fitness gestärkt. "Wir legen bei unseren Übungen Wert darauf, dass beide Körperhälften gleichwertig beansprucht werden", sagt Mouwens. Besondere Fähigkeiten für Aikido braucht man nicht.. Voraussetzung ist lediglich, ausreichend Zeit mitzubringen. Das Alter spielt keine Rolle. Schwierig ist diese Sportart allerdings für Kinder. "Bei ihnen ist der Bewegungsdrang sehr ausgeprägt", hat Dieter Mouwens festgestellt. Gerade mit den langsamen, geschmeidigen Bewegungen äten sich die Kinder schwer. "Darum arbeite ich auch am liebsten mit Erwachsenen zusammen." Das sieht man auch an der Gruppe: Die 20 Teilnehmer sind zwischen 32 und 50 Jahre alt.

Training in der Bürgerhalle in Bedburdyck ist mittwochs, 20 Uhr.
Infos bei Dieter Mouwens unter 0 21 65 7 77 93
Shiho nage
Langsam werden die Aikido-Übungen vorgemacht. Dieter Mouwens (rechts) zeigt, wie es geht. RP-Foto: Detlef Ilgner